Draußen fallen die Schneeflocken, wie in Zeitlupe. Winzig kleine und große, um die Wette tanzend. Ich schaue ihnen zu und frage mich, wie lange sie wohl schon auf ihrer Reise unterwegs sind. Irgendwie magisch, das Ganze – nicht von dieser Welt. Lautlos und wunderschön, wie sie durch die Luft tanzen.

Wenn der Winter kommt, scheint sich die Welt langsamer zu drehen. Geräusche um mich herum werden gedämpft, scheinen plötzlich weit weg. Sie verschwimmen in der Undendlichkeit, zugedeckt unter weißem Glitzer. Ich schließe die Augen und nehme einen tiefen Atemzug. Fülle meine Lungen mit der eiskalten Luft, bis sie zu bersten drohen. Gebe meinen Atem wieder zurück, weiße Wölkchen.

 

 

Stapfe vorsichtig durch den Schnee, genieße dabei das knackende Brechen der oberen Schneeschicht unter meinen Stiefeln. Der Duft nach Kiefer, Harz und Tanne steigt mir in die Nase, als ich immer tiefer in den Wald eintauche, umgeben von gigantischen Bäumen, die Zweige gekrümmt unter dem Gewicht des Schnees.

 

 

Ein Lächeln huscht mir übers Gesicht, als ein nachmittäglicher Sonnenstrahl durch die Tannen dringt und den Wald in ein Meer aus Gold und Silber taucht. Ich kann nicht anders als zu staunen. Die Stille der Natur wird nur durch das Fallen des Schnees unterbrochen und durch ein gelegentliches Knacken; ein Reh auf seinem winterlichen Spaziergang. Die Szenerie erinnert mich an meine Kindheit –  an Schlittenfahrten, Schneeengel und Geschichten von Schneeköniginnen, Väterchen Frost und Eisbären.

 

 

Es hat schon vor einer Weile aufgehört zu schneien und es scheint ganz so, als ob der Wald den Atem angehalten hat, auf etwas wartet. Ich antworte ihm, indem ich meine Arme ausbreite und mich fallen lasse. Ich lande weich im Puderzucker, lache und spüre, wie die Last des Alltags von mir abfällt. Ich ziehe die Handschuhe aus, will den Schnee spüren. Die kristallenen Schneeflocken schmilzen auf meiner Haut.

 

 

Es ist Zeit für mich, den Heimweg anzutreten und als ich zuhause ankomme, werde ich von Wärme und dem Duft nach frischen Plätzchen, Orangenschale und Tanne begrüßt. Der üppig geschmückte Baum funkelt und verströmt eine Atmosphäre von Gemütlichkeit und Geborgenheit. Ich ziehe meine Stiefel und meinen Mantel aus und als ich in den Spiegel blicke, bemerke ich, dass meine Backen gerötet sind. Ich berühre sie und kann die angenehme Kühle spüren.

 

 

Unter einer Decke eingekuschelt, genieße ich bei Kerzen- und Lichterkettenschein, einem guten Buch und einer großen Tasse Tee die letzten Lichtstrahlen, bevor es dunkel wird und der Mond aufgeht und die Welt um mich herum in eine winterlich-glitzernde Märchenwelt verwandelt und sie in tiefen Schlaf verfällt.

 

 

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ENGLISH VERSION

Snowflakes are falling outside, in slow-motion. Tiny ones and big ones, dancing. I’m watching them and I’m wondering how long they’ve been on their journey by now. The whole thing is quite magical – out of this world. Silent and beautiful, how they’re dancing through the air.

When winter is coming, the world seems to turn slower. Noises around me seem to get muted, seem to be far away. They’re blurred into infinity, covered beneath white glitter. I’m closing my eyes, taking a deep breath. Filling my lungs with the cold air, until they feel like bursting. I give my breath back, white clouds.

I’m carefully walking through the snow, enjoying the crackling sound of beneath my boots. The fragrance of pine, resin and fir catches my nose as I’m diving deeper and deeper into the woods, surrounded by gigantic trees, their branches bent because of the weight of the snow.

I’m smiling slightly as sunrays pearce through the firs and dips the forest into a sea of gold and silver. I can’t help but marvel. The silence of nature is only broken by the falling of the snow and the crackling of a deer on it’s winterly stroll. The scene reminds me of my childhood – of sleigh rides, of lying in the snow, listening to stories of snow queens, father frost and ice bears.

It stopped snowing a while ago and it seems as if the forest is holding its breath, waiting. I’m answering by spreading my arms and letting go. I’m falling into the snow, landing in the soft powdered sugar. I’m laughinh and feeling the weight of my everyday life falling off my shoulders. I’m taking off my gloves, I want to feel the snow. The crystal-like snowflakes are melting on my skin.

It’s time to go home and as I’m entering the house it smells like fresh baked biscuits, oranges and pine. The richly decorated christmas tree is glistening and is creating an atmosphere of cosyness and comfort. I’m taking off my coat and boots and as I’m looking into the mirror, I can see my blushed cheeks. I can feel the relaxing coolness as I touch them.

Lying beneath a cosy blanket, I’m enjoying the last sunrays with candlelight, fairylights, a nice book and a big cup of tea, before the moon is rises, turning the world around me into a winterly-glittering fairytale world.